{"id":182,"date":"2022-02-25T20:48:22","date_gmt":"2022-02-25T20:48:22","guid":{"rendered":"https:\/\/niedtalexpress.de\/?page_id=182"},"modified":"2023-12-22T09:54:22","modified_gmt":"2023-12-22T09:54:22","slug":"politische-motivation-des-streckenbaus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/niedtalexpress.de\/?page_id=182","title":{"rendered":"Politische Motivation des Streckenbaus"},"content":{"rendered":"\n<p>Neben den wirtschaftlichen Aspekten hatte der Bau der Strecke auch eine politische Bedeutung. Seit der Annexion <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichsland_Elsa%C3%9F-Lothringen\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichsland_Elsa%C3%9F-Lothringen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Elsa\u00df-Lothringens<\/a> durch das Deutsche Reich im Jahr 1871 trug die \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichseisenbahnen_in_Elsa%C3%9F-Lothringen\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichseisenbahnen_in_Elsa%C3%9F-Lothringen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kaiserliche Generale Direktion der Eisenbahnen in Elsa\u00df-Lothringen<\/a>\u201c die Verantwortung f\u00fcr das Eisenbahnnetz in dieser Region. Die Gesch\u00e4fte unterstanden unmittelbar der Reichskanzlei, in der man sich der wirtschaftlichen und vor allem milit\u00e4rischen Bedeutung eines wohlorganisierten Eisenbahnnetzes und -betriebes sehr bewusst war. Um sich der Treue der Eisenbahner zu versichern, wurden daher in den annektierten Gebieten vorhandene franz\u00f6sische Eisenbahnangestellte sukzessive gegen deutsche, vorzugsweise preu\u00dfische Personale ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bau der Eisenbahnlinie zwischen Bouzonville und Dillingen (Saar) f\u00e4llt in eine Zeit, in der das Deutsche Reich in gro\u00dfem Umfang in den Ausbau des Streckennetzes in der Region investierte. Zwischen 1871 und 1914 wuchs dieses von 1.081 Kilometer auf 2.076 Kilometer an. Damit einher ging ein bemerkenswerter Anstieg der Zahl der durch die Eisenbahn bef\u00f6rderten Personen von ca. 8,5 Millionen im Jahr 1872 auf etwa 53 Millionen Personen im Jahr 1912. Das Frachtaufkommen wuchs in diesem Zeitraum von urspr\u00fcnglich vier Millionen Tonnen auf 42 Millionen Tonnen an. Der Ausbau zielte recht klar auf eine st\u00e4rkere Anbindung Elsa\u00df-Lothringens an das Deutsche Reich, weshalb ein Ausbau der Strecken nach Frankreich nicht in nennenswertem Umfang festgestellt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Eisenbahnverbindung zwischen Bouzonville und Dillingen (Saar) sollte die Reichslande Elsa\u00df-Lothringen \u2013 hier das Gebiet um Bouzonville und Thionville \u2013 st\u00e4rker an das Deutsche Reich binden. F\u00fcr einen Truppenaufmarsch hatten die Bahnh\u00f6fe an der Strecke jeweils auf der dem Empfangsgeb\u00e4ude gegen\u00fcberliegenden Bahnhofsseite lange Milit\u00e4rrampen erhalten. Ferner wurde eine Verbindungskurve auf der rechten Saarseite in Richtung <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Beckingen\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Beckingen\" target=\"_blank\">Beckingen (Saar)<\/a> errichtet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"560\" src=\"https:\/\/niedtalexpress.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220808_Verbindungskurve-Ri-Beckingen-1024x560.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-459\" srcset=\"https:\/\/niedtalexpress.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220808_Verbindungskurve-Ri-Beckingen-1024x560.png 1024w, https:\/\/niedtalexpress.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220808_Verbindungskurve-Ri-Beckingen-300x164.png 300w, https:\/\/niedtalexpress.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220808_Verbindungskurve-Ri-Beckingen-768x420.png 768w, https:\/\/niedtalexpress.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220808_Verbindungskurve-Ri-Beckingen-1536x840.png 1536w, https:\/\/niedtalexpress.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220808_Verbindungskurve-Ri-Beckingen.png 1612w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ausschnitt mit der heute nicht mehr vorhandenen Verbindungskurve der Niedtalbahn zur Saarstrecke in Richtung Beckingen<br>Ausschnitt aus <a href=\"https:\/\/openrailwaymap.org\/?style=standard&amp;lat=49.36709518935742&amp;lon=6.7068153619766235&amp;zoom=17\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">OpenRailwayMap.org<\/a> (Abgerufen am 8. August 2022)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die ungef\u00e4hre Lage der Verbindungskurve ist anhand der im obigen Kartenausschnitt in braun eingetragenen unterbrochenen Linie ersichtlich. Sie zweigte in H\u00f6he des heutigen Standorts der Kl\u00e4ranlage Dillingen von der Niedtalbahn ab und stellte die Verbindung zur Saarstrecke in etwa dort her, wo sich heute das Berta-Bruch-Tierheim Dillingen befindet. Z\u00fcge aus oder in Richtung Trier, die die Niedtalbahn befuhren, konnten durch die Nutzung der bereits um 1920 wieder entfernten Verbindungskurve ein Kopfmachen im Bahnhof Dillingen (Saar) vermeiden. W\u00e4hrend des I. Weltkrieges war die Verbindung durch Truppentransportz\u00fcge sehr stark belegt. Sie war ma\u00dfgebliche Route f\u00fcr den Aufmarsch des Westheeres. Die Truppentransporte von Trier nach Metz verliefen ausschlie\u00dflich durch das Niedtal.<\/p>\n\n\n\n<p>Metz wurde auch von anderer Seite aus an das deutsche Eisenbahnnetz angebunden. So wurde um die Wende zum 20. Jahrhundert eine Eisenbahnlinie von Mainz nach Metz projektiert. Die Linienf\u00fchrung weckte wie im Niedtal auch anderenorts lokalpolitische Begehrlichkeiten. So war es nicht nur den Gemeinden entlang der Niedtalbahn ein Anliegen, der eigenen Bev\u00f6lkerung einen m\u00f6glichst bequemen Arbeitsweg zu den Betrieben der aufstrebenden Kohle- und Stahlindustrie sowie den \u00f6rtlichen Gewerbebetrieben eine leicht erreichbare An- und Abfuhr von Waren zu erm\u00f6glichen. Beispielhaft sei ein gemeinsames Schreiben der Gemeinden Neunkirchen und Spiesen-Elversberg vom 31. M\u00e4rz 1900 an die k\u00f6nigliche Bergwerksdirektion Saarbr\u00fccken zitiert, das k\u00fcrzlich von dem Saarl\u00e4ndischen Landesarchiv unter der Angabe des Rechtsstatus &#8222;<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/deed.de\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/deed.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">CC BY 4.0<\/a>&#8220; ver\u00f6ffentlicht wurde:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<strong><a href=\"http:\/\/www.archivportal-d.de\/item\/CWWWILNGCNYEBS5VPBM7A3NT5ECHUYLB\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.archivportal-d.de\/item\/CWWWILNGCNYEBS5VPBM7A3NT5ECHUYLB\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bitte der Gemeinden Neunkirchen und Spiesen-Elversberg um Ber\u00fccksichtigung bei der Anlage der Bahnlinie Mainz-Metz<\/a>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Soweit bis jetzt verlautet, wird die pojektierte direkte Bahn von Mainz nach Metz die uns benachbarten Orte Waldmohr einerseits und St. Ingbert andererseits ber\u00fchren. Die Verbindung dieser Orte soll \u00fcber Homburg geplant sein. Die unterzeichneten Vertretungen der zur Seite benannten Gemeinden gestatten sich, die Bitte auszusprechen, die Verbindung so zu legen, da\u00df ihre Ortschaften ber\u00fchrt werden. Wir sind uns wohl bewusst, da\u00df Terrainschwierigkeiten die von uns erstrebte Linie erschweren werden, und da\u00df insbesondere vor Spiesen ein Tunnel hergestellt werden m\u00fcsste, allein wir glauben, da\u00df die Ausf\u00fchrung dieser Linie sehr erhebliche Vorteile bietet, welche die Schwierigkeiten wohl \u00fcberwiegen d\u00fcrften. Zun\u00e4chst ist die Linie erheblich k\u00fcrzer und dann wird dieselbe auf einer L\u00e4nge von kaum 10 Kilometer f\u00fcr eine Bev\u00f6lkerung von \u00fcber 55.000 Seelen eine Verbindung herstellen, die schon seit Jahren als ein Bed\u00fcrfnis empfunden worden ist. Die gro\u00dfen Industrieorte Neunkirchen mit Wiebelskirchen einerseits und St. Ingbert andererseits haben z. Z. keine direkte Verbindung miteinander; die Reise von einem der Orte nach dem anderen ist mit der Bahn nicht so rasch als zu Wagen zur\u00fcckzulegen. Der Mangel einer direkten Verbindung ist in Neunkirchen und Wiebelskirchen sowohl, als auch in der bayerischen Stadt St. Ingbert stets lebhaft empfunden worden und gerade St. Ingbert hat es stets als einen wesentlichen Uebelstand beklagt, dass die dortigen Bewohner die Z\u00fcge nach Bingerbr\u00fcck, K\u00f6ln usw. immer nur auf einem erheblichen Umwege erreichen k\u00f6nnen, der durch eine direkte Verbindung mit Neunkirchen vermieden w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Die fast zusammenliegen Orte Spiesen-Elversberg aber mit rund 9.000 Einwohnern vermissen bisher noch jeden Anschluss an das Eisenbahnnetz.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist daher wohl keine Frage, da\u00df die von uns erstrebte Linie dem allgemeinen Verkehr erheblich viel mehr Rechnung tragen w\u00fcrde, als die Linie durch die wenig bev\u00f6lkerte Gegend von Waldmohr \u00fcber Homburg nach St. Ingbert.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Bewohner der ganzen Gegend von Waldmohr bis Kusel und weiter haben unzweifelhaft ein lebhaftes Interesse an m\u00f6glichst direkter, die Umwege vermeidender Verbindung mit dem Kohlerevier, wohin viele Bergleute t\u00e4glich zur Arbeit fahren, in welchem sie ihre landwirtscahftlichen und gewerblichen Erzeugnisse absetzen und aus der sie ihren Bedarf an Kohlen, Eisen usw. beziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Linie wird von dem aus strategischen Gr\u00fcnden in Betracht kommenden Bahnhofe Homburg in nicht allzugro\u00dfer Entfernung vorbeif\u00fchren, sodass dieser Bahnhof leicht mit der neuen Bahn verbunden werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vorliegende erhebliche Belastung des Bahnhofs Neunkirchen d\u00fcrfte unserem Antrage nicht entgegenstehen, da die neue Linie nicht diesen Bahnhof, vielmehr den s\u00fcdlichen Teil von Neunkirchen ber\u00fchren w\u00fcrde, wodurch sogar eine erhebliche Entlastung des jetzigen Bahnhofs im Norden von Neunkirchen und ebenso der \u00fcberlasteten Linie Neunkirchen &#8211; Saarbr\u00fccken erreicht w\u00e4re, zumal wenn etwa die fiskalischen Gruben K\u00f6nig und Heinitz-Dechen einen Anschluss an die von uns erbetene Linie erhalten k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir glauben eine wohlwollende Pr\u00fcfung und Ber\u00fccksichtigung unseren Antrages umsomehr erhoffen zu d\u00fcrfen, als die neue Bahn im anderen Falle dem Orte Neunkirchen einen ganz erheblichen Teil des bisherigen Verkehrs entziehen und damit die zahlreichen Gewerbebetreibenden, die auf diesen Verkehr ihre Existenz gegr\u00fcndet haben, aufs allerempfindlichste in Mitleidenschaft ziehen w\u00fcrde.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Bitte kontrastiert mit der fr\u00fcher h\u00e4ufiger anzutreffenden ablehnenden Haltung der Eisenbahn gegen\u00fcber. F\u00fcr die Niedtalbahn bedeutsam sei an die ablehnenden Entscheidungen der Gemeinde Dillingen (Saar) in den Jahren 1852 und 1855 erinntert, als es darum ging, der Eisenbahn Fl\u00e4chen f\u00fcr den Bau des Bahnhofs zur Verf\u00fcgung zu stellen (<a href=\"https:\/\/niedtalexpress.de\/?page_id=184\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/niedtalexpress.de\/?page_id=184\">s. Empfangsgeb\u00e4ude, Stellwerke und W\u00e4rterh\u00e4user<\/a>). In der heutigen Zeit werden wieder vermehrt Stimmen aus der Landes- und Lokalpolitik vernehmbar, die einen Anschluss von Ortschaften an das Eisenbahnnetz fordern. Solche Vorhaben werden unter dem Oberbegriff &#8222;Verkehrswende&#8220; diskutiert, wenn es hierbei auch nicht um v\u00f6llig neue Eisenbahnlinien geht, sondern um die Sanierung und Reaktivierung bestehender Strecken. Die <a href=\"https:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/saarland\/landespolitik\/reaktivierung-alter-bahnstrecken-fahren-auf-diesen-gleisen-bald-wieder-zuege-v19a_aid-99581655\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/saarland\/landespolitik\/reaktivierung-alter-bahnstrecken-fahren-auf-diesen-gleisen-bald-wieder-zuege-v19a_aid-99581655\">Saarbr\u00fccker Zeitung hat in ihrer Ausgabe vom 19. Oktober 2023<\/a> sehr ausf\u00fchrlich berichtet und den aktuellen Diskussionsstand analyisiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben den wirtschaftlichen Aspekten hatte der Bau der Strecke auch eine politische Bedeutung. Seit der Annexion Elsa\u00df-Lothringens durch das Deutsche Reich im Jahr 1871 trug die \u201eKaiserliche Generale Direktion der Eisenbahnen in Elsa\u00df-Lothringen\u201c die Verantwortung f\u00fcr das Eisenbahnnetz in dieser Region. 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